Kirche / Gemeindehaus

Die Kirche liegt inmitten des Dorfes südlich der Hauptstraße auf dem ehemaligen Friedhof, von dem noch zahlreiche Grabsteine (Epithaphen) an der Kirchmauer zeugen. Oldendorf ist als Kirchspiel schon um 1100 erwähnt, seine Kirche stammt wohl aus dem 12. Jh. Sie ist ein stattlicher romanischer Feldsteinbau und dem Hl. Martin v. Tours gewidmet, was auf fränkische Missionstradition hinweist.

Das Gebäude ist aus lagerhaft geschichtetem Feldsteinmauerwerk errichtet. Die jetzigen ho-hen Korbbogenfenster mit ihrem Backsteinprofil und das Südportal gehen auf den Umbau der Kirche 1901 zurück. An beiden Langwänden der Kirche sind noch Spuren der alten, hoch liegenden Rundbogenfenster mit Laibungen aus behauenem Feldstein erkennbar. An der Nordseite des Altarraumes ist im 18. Jh ein Brauthaus, das bis heute als Sakristei genutzt wird, in Fachwerk angebaut worden. Der Turm ist ebenfalls aus Feldsteinen errichtet. Das Backsteinportal und die Fenster wurden 1901 erneuert. Über ihn gelangt man auf die Emporen. Er beherbergt die Glocken und wird mit einer achtkantigen beschieferten Helmspitze abgeschlossen.

 

Das Innere des Kirchraumes wird bestimmt durch die Neugestaltung von 1901: Emporen, Balkendecke, Gestühl und Kanzel sind in Naturfarbe gebeizt, die Wände verputzt und geweißt. Viele ältere Ausstattungstücke wurden wiederverwendet. Der Altar ist ein Blockaltar aus Stein mit einem Aufsatz von 1651. Dieser Aufsatz wurde, wie aus den Inschriften in der Mitte des Gebälks zu entnehmen, von D(aniel). A(rentsen). O(ldendorf). Und v.Grantzin mit der Unterschrift: S.S(usanna) G(rantzin), der Ehefrau Daniel v. Arentsens, gestiftet. Über der mit einer erneuerten Inschrift (1.Cor.10,16: Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?) versehenen Sockelzone ist eine Darstellung des Hl. Abendmahles. Die beiden vollplastischen Figuren an der Seite zeigen links einen gehörnten Mose (mit den Gebotstafeln, die Hörner gehen auf eine falsche Lesart der lat. Bibel zurück: facies cornuta – gehörnt, statt: facies coronata – strahlend; 2.Mose 34,29), rechts Johannes den Täufer. Als Bekrönung des Altars dient ein Kruzifix mit Maria, der Mutter Jesu, und Johannes, seinem Jünger.

Im Altarraum befindet sich eine Kartusche mit der erneuerten Inschrift: Sursum corda – Die Herzen in die Höhe aus dem 17. Jh.

Die Buntglasfenster (1901) zeigen links die Anbetung Jesu durch die Hirten (Joh. 3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.) rechts Christi Himmelfahrt (Luk. 24,51: Und es geschah, da er sie segnete, schied von ihnen <und fuhr auf gen Himmel>).

Die Taufe aus Sandstein ist von 1901. Ein älterer, romansicher Taufstein aus einem unbehauenen Granitfindling, oben abgeplattet und ausgehöhlt, befindet sich außerhalb der Kirche in der Nähe des Portals. Vielleicht handelt es sich bei diesem Stein aber auch um einen alten Weihwasserstein.

Die etwa 3m hohe Kanzel aus Eichenholz ist ebenfalls von 1901. Teile der alten Kanzel aus der Mitte des 17. Jh. Wurden dabei wiederverwendet: Ornamente, geflügelte Engelköpfe, Beschlagwerkkartuschen (in der südlichen das v. Kuhla’sche Wappen) und vor allem die Darstellungen der vier Evangelisten in Muschelnischen, zu Füßen ihrer Symbole (Markus – Löwe, Matthäus – Mensch, Lukas – Stier, Johannes – Adler). Auch am Schalldeckel finden sich neben den neueren auch ältere Teile wieder. Die Inschriften am Gesims sind neu.

Über der südlichen Nebenaltarnische des Schiffes hängt ein Kruzifix auf einem alten Kreuz aus der Zeit um 1400. In den Vierpaßenden des Kreuzes sind neue Inschriften. Früher lauteten sie: Jesus Nazarenus Rex Judaeorum – Jesus von Nazareth, König der Juden (oben); in manus tuas commendo spiritum . in deine Hände befehle ich meinen Geist (am Fuß); Deus quare me dereliquisti – Gott, warum hast du mich verlassen (rechts); crux mea ineffabilis – mein Kreuz ist leicht (links). Heute lauten die Inschriften: Inri (oben); Es ist vollbracht (am Fuß); Mein Gott, mein Gott, warum (links) hast du mich verlassen (rechts).

Auf einen Epitaph an der Nordwand das Schiffes ist Daniel von Arentsschild, Vogt der Börde Oldendorf, im Brustpanzer und seine jugendlich dargestellte zweite Ehefrau Hedwig Ilse, geb von der Kuhla abgebildet. Daneben das von Arentsschildt’sche Wappen

An der Ostwand des Schiffes sind beiderseits des Triumphbogens, der den Übergang vom Altarraum zum Kirchenschiff markiert (in früherer Zeit durch eine lettnerartige Holzempore deutlich sichtbar), zwei tiefe spitzbogige Nischen. Dabei handelt es sich um ehemalige Nebenaltäre. Die beiden Engel der linken Nische sind aus der Mitte des 13. Jh. In der linken Nische stand eine Statue des Heiligen Martins und rechts eine der Heiligen Katharina von Alexandra, letztere steht jetzt im Schwedenspeichermuseum in Stade.

An der Südwand des Schiffes hängt ein Gemälde, das die Begegnung Maria v. Magdala mit dem auferstandenen Christus (Joh. 20,11ff) zeigt. Es ist auf 1901 datiert.

Von der alten Orgel ist der Prospekt von 1730/31 erhalten. Nachdem man lange Zeit ein gestiftetes Positiv genutzt hatte, vereinbarte man 1730 mit Erasmus Bielfeld den Bau einer zweimanualigen Orgel mit angehängtem Pedal. Bis 1731 verfertigte Bielfeld das Gehäuse „samt Zierraten und Prinzipal“. Da er aber gleichzeitig in Bremervörde, Scharmbeck und Stade-Wilhadi beschäftigt war, ließ er seinen Gesellen Dietrich Christoph Gloger in Oldendorf zurück und kümmerte sich nicht mehr um den Bau. Die Oldendorfer schlossen daraufhin einen neuen Vertrag mit Gloger, der die Orgel dann als eigene Arbeit vollendete. 1901 wurde auch die Orgel unter Beibehaltung des barocken Prospekts umgebaut. 1981 wurde das neue Instrument, das heute in der Kirche steht, von Rudolf Jahnke, Bovenden, erbaut. Die Orgel enthält heute 15 Register und ermöglicht die Pflege der Kirchenmusik besonders des 17. Und 18. Jh.

Außerhalb der Kirche sind, wie schon erwähnt, diverse alte Grabsteine und der alte Taufstein zu sehen. Außerdem befindet sich dort auch die sogenannte Gedächtnisglocke, eine Stahlglocke, die 1951/52 angeschafft, 1986 den neuen Glocken im Turm weichen musste.

Das war ein kurzer Gang durch die Oldendorfer St. Martins-Kirche.

Wir hoffen, er hat Ihnen Freude bereitet.

Ihre Kirchengemeinde Oldendorf!

 

Kirche mit Kirchhof

 

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