Der Heilige Geist

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Dieses war das Schwerpunkthtema im Gemeindebrief „Der Martinsbote“ 2-2016

Vielleicht geht es Ihnen wie in diesem Cartoon: An Gott oder an Jesus zu glauben, das ist ok. Aber wie steht es mit dem Heiligen Geist bzw. was ist das überhaupt? Wie wird dieser dargestellt, wie wird er im Sprachgebrauch benutzt? In diesem Schwerpunkt wollen wir dieser Frage nachgehen.

 

Der Heilige Geist

Der Heilige Geist (griechisch Ἅγιον Πνεῦμα oder Πνεῦμα τὸ Ἅγιον, lateinisch Spiritus Sanctus) ist im Christentum die dritte Person der göttlichen Trinität, wie dies im wichtigsten altkirchlichen Bekenntnis, dem Nicäno-Konstantinopolitanum, formuliert wurde. Der Heilige Geist ist Gott, also keine eigenständige Substanz oder Gottheit. An Pfingsten feiert die Christenheit das Kommen des Heiligen Geistes. Bereits im Alten Testament ist vom Geist Gottes die Rede. Somit besteht ein Zusammenhang mit dem hebräischen Begriff rûah (Wind, Geist) im Judentum und dem arabischen rūḥ روح (Geist) im Islam. Andere Religionen und Traditionen weichen teilweise stark oder gänzlich vom christlichen Verständnis des Heiligen Geistes ab.                                                           (Quelle: Wikipedia)

Symbole für den Heiligen Geist

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(Grafiken: NiRo-Design – Quellen: Victor Janke www.lgvgh.de / www.pixabay.de)

Glaubens ABC: Heiliger Geist

Inspiration, Eingebung, Ahnung – davon zu reden, ist auch in Glaubensfragen angebracht. Die Aufforderung, sich anzustrengen, hilft beim Verstehen des christlichen Glaubens nicht weiter. Wir spüren, dass es beim Sehen-, Hören-, Beten-, Glauben-, Vertrauen- und Lieben-Können nicht um etwas geht, das ich selbst machen kann, sondern Geschenk oder Wunder ist, wenn einem „ein Licht aufgeht“. Die Quelle der Inspiration nennen Christen den Heiligen Geist. Das Sehen bzw. Erkennen, von dem im Zusammenhang des Glaubens die Rede ist, meint nicht das Vordergründige, sondern den Blick hinter die Kulissen.

Das Wort, das im Alten Testament mit „Geist“ übersetzt wird, hat eine zweifache Bedeutung: Es kann mit „Wind“ oder „Lebenskraft“ übersetzt werden. Im deutschen Wort „Atem“ kommen beide Aspekte des Geistes zum Ausdruck: Der Atem ist ein Lufthauch und zugleich das, was der Mensch zum Leben braucht.

Im Neuen Testament ist in der Apostelgeschichte (2,1-41) vom Heiligen Geist die Rede. Dort wird berichtet, dass sich die Jünger Jesu am Pfingsttag, 50 Tage nach Ostern in einem Haus versammelten. Dort empfingen sie den Heiligen Geist, der sie in die Lage versetzte, in anderen Sprachen zu reden. Jerusalem war an diesem Tag – es wurde das Wochenfest gefeiert – mit Pilgern überfüllt. Aus vielen Ländern waren sie angereist und staunten, dass sich jeder in seiner Muttersprache reden hörte. Die Außenstehenden, Beobachter des Geschehens, hatten nur Spott übrig für das, was sie sahen (2,13). Waren die Gläubigen betrunken? Gegen diesen Vorwurf verwahrt sich Petrus, der von Jesu Tod und Auferweckung spricht, in seiner Predigt (2,16-36, s. bes. 2,15). Seine Zuhörerinnen und Zuhörer sind begeistert und lassen sich taufen. Damit wurde das Ereignis der Ausgießung des Heiligen Geistes zur Geburtsstunde der christlichen Gemeinde und somit auch der Kirche.

(Text: EKD)

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Das war wohl der Heilige Geist – was?

Als unsere Mutter vom Einkaufen kam, verstaute sie die gekauften Süßigkeiten im Schrank. Sie ermahnte mich, nichts von den Süßigkeiten zu nehmen. Am nächsten Tag fehlten einige Schokoladenriegel. „Wer war das“, fragte meine Mutter. Ich sagte, dass ich keine Ahnung hätte. „Dann war das wohl der Heilige Geist“, sagte meine Mutter wütend.

Das war mein erster Kontakt mit dem Begriff: Heiliger Geist“.

Ist der Heilige Geist jemand der Schokoriegel klaut? So mein erster Gedanke. Nein, meine Mutter wollte keine Schuldzuweisung treffen und bediente sich einer Floskel, ‚das war wohl der Heilige Geist‘. Die Floskel (lateinisch flosculus: ‚Blümchen‘) bezeichnet in der Rhetorik der Antike einen Denkspruch oder eine Sentenz, später eine rein formale Redewendung oder Redensart. Also ist der Heilige Geist eine Redensart, oder was?

Das Entscheidende ist, dass der Heilige Geist nicht als „WAS“ gewusst werden will. Dem Heiligen Geist ist es kein Anliegen, gewusst zu werden. Er möchte wirken. Der Glaube daran, dass Gott sich selbst offenbart hat, unterscheidet uns Christen von allen anderen Religionen. Gott gibt uns nicht eine Botschaft über sich. Gott gibt uns nicht bloß Gebote, die wir halten müssen. Gott gibt uns nicht bloß eine Lehre. Nein, er gibt sich selbst. Er offenbart sich selbst. Gott zeigt uns sein innerstes Wesen. Und diese Selbstoffenbarung Gottes besagt, dass er ein einziger Gott in dreifacher Liebe ist: Der eine Gott ist dreifaltig!

Wir sind Monotheisten. Wir glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt. Und dieser Gott hat uns sein Selbst offenbart: Er hat ein Innenleben, eine innere Differenzierung. Er ist in sich in dieser Einheit und als diese Einheit Vater, Sohn und Heiliger Geist. Als Vater Schöpfer, als Sohn Mensch geworden und als Heiliger Geist ausgegossen in unsere Herzen.

Wie können wir uns den Heiligen Geist nun vorstellen?

In der Bibel gibt es für den Heiligen Geist nur Bilder: Wind, Brausen, Feuersturm… Der Geist ist „Finger Gottes, der uns führt“. Er kommt „wie eine Taube“ von oben herab. Ja, der Heilige Geist hat nicht einmal einen Namen, denn Gott ist ja insgesamt heilig, und insgesamt Geist: Auch der Vater ist Geist, und auch der Sohn ist Geist. Der Name „Heiliger Geist“ ist eigentlich bloß die Zusammensetzung von zwei Eigenschaftsworten, um den Unnennbaren zu benennen: Heiliger Geist.

Das prominenteste Bild für den Heiligen Geist ist die Taube geworden. Die Taube meint nicht, dass der Heilige Geist ein Vogel ist, sondern dass er von oben kommt. Schaut man sich die Bibelstelle an, wo Jesus getauft wird. Ich habe schon gesagt: Der Heilige Geist ist die Beziehung von Vater und Sohn in Gott. Und dieser Geist steigt jetzt am Jordan „in Gestalt einer Taube“ (Lukas 3, 22) vom Himmel herab. Aus der abstrakten Wolke erklingt die Stimme des Vaters: „Das ist mein geliebter Sohn“ (Matthäus 3, 17). Der Heilige Geist kommt von oben – und er möchte wirklich runter.

Das Bild von der Taube bedeutet aber noch mehr: Nach der Sintflut bringt die Taube einen Ölzweig als Zeichen dafür, dass die Beziehung mit Gott jetzt wieder stimmt, nachdem die Sünde ausgetilgt ist (vgl. Genesis 8, 10 und 11). Gemeint ist damit: Gott schafft Frieden mit uns sündigen Menschen. Er baut von oben her aus seiner Ewigkeit eine Beziehung mit unserer irdischen Wirklichkeit auf.

Ach ja, die irdische Wirklichkeit. Die Schokoriegel hatte mein Vater aus dem Schrank genommen.

Jörg Wustmann

Quellen: Wikipedia, / Komm Heiliger Geist, wirke in uns von Karl Wallner

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So lautet die biblische Losung für den Monat Mai.

Na also: das widerspricht ja nun so ziemlich allem, was wir normalerweise glauben und für wichtig halten. Na klar gehören wir uns selbst! Wem denn sonst?

Ist es nicht unser vorrangiges Ziel, als mündige Bürgerinnen und Bürger durch die Welt zu laufen, mit offenen Augen für alles, was Menschen einschränkt und ihnen einen fremden Willen aufzwingt?

Und ist es nicht das, was wir unseren Kindern schon von früh auf mitgeben: du musst selbst entscheiden, wie du leben willst?

Ganz im Vertrauen, liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser, ich bin davon überzeugt: das funktioniert nicht! Das mit dem „Alles-selbst-entscheiden“ meine ich. Jedenfalls nicht ohne eine gewisse Richtung. Woran soll ich mich denn wohl orientieren? An mir selbst? Ja – weiß ich denn immer, was ich will? Oder soll ich mich irgendeiner Mehrheit anschließen? Aber weiß die denn so genau, wohin die Reise geht? Ein paar Zeilen vor der Monatslosung heißt es bei Paulus: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.

Es gibt ein Lied, das ich gerne singe und singen lasse, und das geht so:

Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir.

Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.

Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du – Das ist der Clou.

Mir hilft das für mein Leben, zu wissen, dass da jemand ist, der mir den Rücken stärkt! Und der mir die Richtung weist. Und auf dessen Hilfe ich bauen kann.

Wir gehen auf Pfingsten zu, auf das Fest des Heiligen Geistes: als die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seinem Tod und seiner Auferstehung ängstlich und ein wenig ratlos hinter verschlossenen Türen zusammen saßen und nicht so recht wussten, wie es weitergehen sollte, hatten sie plötzlich das Gefühl, mit einem Geist der Ermutigung direkt von Gott beschenkt zu werden. Und sie öffneten ihre Türen und machten sich auf den Weg, die Gute Nachricht Gottes weiter zu sagen.

Und wann haben Sie sich das letzte mal von Gott inspirieren lassen? Das könnte spannend werden:

Achtsam mit sich selbst umgehen wie mit einem Geschenk. Und sich auf neue Wege schicken lassen.

In diesem Sinne: passen Sie gut auf sich auf! Das ist jemandem wichtig – Sie sind jemandem wichtig!

Ihre Pastorin S. Franz

 

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Darstellung von Christi Himmelfahrt mit Taube als Symbol des Heiligen Geistes in der Kreuzkirche in Herne. Die Fenster im Chorraum der Kirche entstanden 1951 bis 1953 nach Entwürfen des Malers Rudolf Fuchs. Die Kreuzkirche wurde im Dezember 1875 nach zwei Jahren Bauzeit eingeweiht.

Darstellung von Christi Himmelfahrt mit Taube als Symbol des Heiligen Geistes in der Kreuzkirche in Herne. Die Fenster im Chorraum der Kirche entstanden 1951 bis 1953 nach Entwürfen des Malers Rudolf Fuchs. Die Kreuzkirche wurde im Dezember 1875 nach zwei Jahren Bauzeit eingeweiht.

 

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