Fasten

Fasten – was ist das eigentlich?Fasten 012_0701

Fasten ist die völlige oder teilweise Enthaltung von Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg, üblicherweise für einen oder mehrere Tage.

Das Wort kommt vom althochdt. fastēn, das ursprünglich bedeutet „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten“, vgl. auch gotisch fastan „(fest)halten, beobachten, bewachen“. Wird nur eine bestimmte Art der Nahrung – beispielsweise Fleisch – oder ein Genussmittel weggelassen oder eingeschränkt, spricht man von Enthaltung oder Abstinenz.“ (Quelle: www.wikipedia.de)

 Fasten kann folgenden Zwecken dienen:

  • der religiösen Praxis (z.B. in der christlichen Fastenzeit und im muslimischen Fastenmonat Ramadan oder der Vorbereitung auf religiöse Feste)
  • der Trauer über einen Todesfall oder sonstigen Verlust
  • einem Gewinn an seelischer Harmonie und an Demut
  • einer Förderung der Wahrnehmung und der eigenen Aufmerksamkeit
  • einer Erhöhung der Willenskraft und Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen
  • dem Zuwachs an psychischer und sozialer Kontrolle bzw. Macht (siehe z.B. Mahatma Gandhi oder allgemein Hungerstreik)
  • der Erhöhung der Lebenserwartung und einer Verzögerung des Alterungsprozesses
  • dem Abnehmen bzw. der Kontrolle des Körpergewichts

Im Christentum ist, wenn man von der Fastenzeit spricht, meistens die Rede von den 40 Tagen der Fastenzeit im Frühjahr, die der Vorbereitung auf Ostern dienen und an die 40 Tage erinnern, die Jesus Christus fastend und betend in der Wüste verbrachte. Der Nahrungsverzicht in der Adventszeit, die ebenfalls eine Buß- und Fastenzeit darstellt, wird eher vernachlässigt.

Aber auch schon im Alten Testament wird vom Fasten als Zeichen der Trauer berichtet; so fastete König David nach dem Tod seines Sohnes Abschalom. Es entwickelte sich eine Praxis, dass man zweimal pro Woche, mittwochs und freitags, (teil) fastete.

Neben dem religiösen Fasten ist das Heilfasten sehr beliebt. Das Heilfasten soll zu einem besseren Wohlbefinden und / oder verbesserter Gesundheit führen. Die vermuteten positiven gesundheitlichen Eigenschaften des Heilfastens sind wissenschaftlich gut belegt bei Rheuma der Gelenke. Neben einigen älteren Kur– und Fastenformen (z.B. nach Pfarrer Kneipp) haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche ärztlich begleitete Formen des Fastens durchgesetzt. Gemeinsam haben diese einige Tage der Vorbereitung, das Anstreben einer gezielten Darmentleerung und täglich etwa drei Liter zu trinken. Vorherige oder begleitende ärztliche Untersuchungen minimieren mögliche Risiken.

(Text: Stefan Meier)

Fasten – Sich Gott nähern

Alle großen Religionen kennen seit Alters her bestimmte Zeiten, in denen die Gläubigen fasten, allein um Gott näher zu kommen.

Das religiöse Fasten entspringt dem Gedanken und der Erfahrung, dass Sattheit bequem und ich-bezogen macht, während eine Begrenzung vor allem der Nahrung (aber auch Enthaltsamkeit bei Genussmitteln, Fleisch und Fisch, Alkohol und Drogen sowie Sexualität) zu einem neuen erweiterten Lebenshorizont und neuen Erfahrungsmöglichkeiten führt. Die fastende Person wird offener für andere Menschen, aber auch für Gott.

Von der Entstehungsgeschichte des Fastens ist interessant, dass sich sogar aus ressourcenschonenden Gedanken heraus religiöse Fastenbräuche entwickelt haben: z.B. Die Enthaltsamkeit gegenüber Fischen in der Laichzeit.

Der Ramadan im Islam, Jom Kippur im Judentum, Selbstkasteiungen im Buddhismus sind bekannte Ausprägungen des Fastens, genauso wie die christlichen Fastenzeiten in der Leidens-(Passions-)zeit Christi und in der Adventszeit.

Damit dient das Fasten der Reinigung der Seele, der Abwehr des Bösen, der Förderung der Konzentration auf das Wichtige im Leben – und dazu gehört natürlicherweise Gott. Das religiöse Fasten wird im gemeinsamen Erleben auch als sehr gemeinschaftsfördernd empfunden und stärkt den Zusammenhalt der religiösen Gruppe.

Fasten von Tina WillmsIn heutigen Fastengedanken wie Entschlackung, Abnehmen, Heilfasten, Stärkung der inneren und äußeren Widerstandskräfte und Macht über den eigenen Körper tritt die gezielte Öffnung für Gott in den Hintergrund.

Vereinfacht gesagt: Hier fastet man für sich selbst – und nicht, um sich Gott zu öffnen.

Jesus Christus rief in der Bergpredigt (Mt 6, 16–18) zur Demut bei der Übung des Fastens auf: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“                                                           (Text: Burkhard  Ziemens)

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 Die Fastenzeit/Passionszeit – oder „7 Wochen ohne“ …

ohne was? Ohne Schokolade, ohne Kaffee, ohne Zigaretten, ohne Fernsehen, ohne Alkohol usw. Also „ohne Freude“ würde doch so mancher im Stillen denken. Was hat sich die Kirche da bloß gedacht? Warum soll ich da mitmachen?

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag. In dieser Zeit erinnern wir uns an das Leiden und Sterben Jesu. In früheren Zeiten wollten die Menschen auch den „Himmel“ gut stimmen und hielten sich an strenge Regeln in der Fastenzeit. Die Angst, nicht in den Himmel zu kommen, war groß. Durch die Reformation wurden diese Ängste gemildert. Martin Luther lehnte die Vorstellung ab, durch Askese der „Hölle zu entkommen“. Kaum jemand macht sein Seelenheil heutzutage davon abhängig, ob er Gemüse  oder Fleisch isst.

Jedoch ist ein gewisser Trend zu spüren, die Fastenzeit zu nutzen, um die positiven Aspekte des Lebens damit zu verbinden. Viele meinen damit allerdings das Heilfasten (lt. Wikipedia: „Heilfasten ist eine Form des nicht religiös motivierten Fastens und soll der ‚Entschlackung‘ oder Regeneration des Körpers dienen.“). Saftfasten, Molkefasten, Früchtefasten, Markert-Diät, Buchinger-Heilfasten usw., jedem Wunsch entsprechend gibt es individuelle Ideen zum Heilfasten. Zwar ist damit oft der Wunsch nach einer „seelischen Reinigung“ verbunden. Dem ursprünglichen Sinn des Fastens entspricht es häufig nicht (siehe oben).

Für den einen ist es vielleicht ein „Klacks“, auf feste Nahrung zu verzichten, für die meisten ein sehr hoch gestecktes Ziel! Wer mitten im Leben steht und Kinder, Beruf, Haushalt, Hobby und dergleichen unter einen Hut bringt, ist oft schon überfordert und kann dem Alltag kaum entsprechen. Denn eines steht fest, zum großen Fasten sollten Sie die nötige Ruhe und Zeit schon mitbringen.

Fasten Mina 082_4302_RGBDie gute Alternative dem Fasten zwischen Aschermittwoch und Karsamstag zu folgen, wäre demnach sich ein eigenes, kleines Ziel zu stecken.

Ich persönlich verzichte in dieser Zeit auf den Genuss von Kaffee. Wobei ich Kaffeetrinken wirklich liebe. Schon der Duft zieht mich in den Bann. Das traditionelle Kaffeetrinken mit Freunden und mit meiner Oma – kein einfaches Unterfangen, 7 Wochen darauf zu verzichten. Doch führt es mir auch vor Augen, wie eingefahren ich doch bin, in meinen alltäglichen Gepflogenheiten. Schlechte Laune ist ein bisschen vorprogrammiert: in manchen Momenten den Duft von Kaffee in der Nase zu haben, aber leider keinen trinken zu dürfen.

Aber nach 7 Wochen den ersten Kaffee zu genießen, ist wirklich eine Gaumenfreude. Das Gefühl, das sich breit macht, – „ich habe es geschafft und es war eine gute Zeit!“ Auch der Austausch mit Freunden und Bekannten ist schön, denn viele gehen diesem Enthalten von früher wieder nach.

Eine Freundin von mir verzichtet 7 Wochen auf den Genuss von Schokolade. Auch sie freut sich immer wieder aufs Neue, diesen Weg zu gehen, obwohl es ihr schwer fällt.

Ebenfalls eine tolle Idee: „Fernsehen adé!“ Eine junge Oldendorfer Familie hat sich gemeinsam für dieses Projekt entschieden. Eine gelungene Idee, sich wieder den althergebrachten Traditionen zuzuwenden. Spieleabende, Gesprächsrunden, lesen, stricken, Hörbücher usw.

Der Verzicht ist mühsam, aber das Gefühl der Zufriedenheit durch ein Mehr an Lebensinhalt und durch unsere damit bewiesene „innere Stärke“ ist herrlich und motivierend!

Trauen Sie sich!                                                (Text: N. Rosowski-Sprengala)

 

Wem die Schokolade nicht reicht, kann sich vielleicht mehr trauen:

Meine Frau und ich führen fast jedes Jahr eine „Heilfastenkur“ durch. Wir beginnen mit drei Entlastungstagen. Danach ca. 5 Fastentage und anschließend die gleiche Anzahl an Aufbautagen.

Bei den Entlastungstagen gibt es am Morgen Frischkornbrei, mittags Rohkostsalat und am Abend 1 Scheibe Vollkornknäckebrot. Dabei ist immer oberstes Gebot, viel Trinken – ca. 3 Liter Wasser pro Tag.

Teller mit Suppe zur FastenzeitAn den Fastentagen gibt es bei uns immer leckere Fastensuppe. Mit folgendem Rezept: 2 Wurzeln, 2-3 Kartoffeln, ½ Stg. Porree, ¼ Kn. Sellerie, 1-2 Zwiebeln, 1 kl. Petersilienwurzel, 1-2 Knoblauchzehen, 50g grob geschrotetes Getreide, 1 ¼ l Wasser, Lorbeerblatt, Kümmel, Majoran, grüner Pfeffer, 30 – 35 köcheln lassen, durchgießen (nicht durchstreichen), ¼ l in die Suppentasse geben + eine Messerspitze Gemüsebrühe instant, ½ Teel. Hefeflocken und etwas Schnittlauch. Und natürlich 3 Liter Wasser und ein Glas Apfel-Wurzel-Saft (1 Apfel, 2 Wurzeln, etwas Zitronensaft, 1 Tropfen Öl und alles pressen – ½ Glas mit Wasser auffüllen).

An den Aufbautagen nehmen wir beispielsweise eine Apfelrosette (1/2 Apfel), ½ Banane und 2 eingeweichte Pflaumen mit Pflaumensaft + 1 EL Leinsamen zu uns. Natürlich wieder min. 3 Liter Wasser.

Durch den täglichen morgendlichen Einlauf funktioniert auch die Verdauung sehr gut. Ziel ist es den gesamten Körper zu reinigen, von innen und außen. So gehört auch das morgendliche Tau- oder Wassertreten zur Fastenkur. Nach den bewussten 13 Tagen hat man, als Nebeneffekt, ca. 5 bis 7 kg abgenommen – eine perfekte Basis für eine Diät oder für eine bewusstere Ernährung.                                                         (Text: Jörg Wustmann)

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