Religionen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Religionen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Bei der Vorbereitung zum Martinsboten 2015-2 beschäftigte sich das Redaktionsteam mit den unterschiedlichen Religionen in Deutschland.

Welche vier wichtigsten Religionen sind hier bei uns vertreten? Was unterschiedet sie von einander und – das findet die Redaktion noch viel wichtiger – was haben sie gemeinsam? Das wurde versucht, anhand von einigen Fragestellungen darzustellen. Herausgekommen sind dabei eine Menge Fakten und Informationen und insbesondere viele Gemeinsamkeiten.

(Kirsten Heinsohn)

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Religionen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

 C: = Christentum, J: = Judentum, I: = Islam, B: = Buddhismus

 1) Entstehung der Religion

C: Aus einer jüdischen Rabbi-Schule des Lehrers Jesus von Nazareth entstanden

J: Die Geschichte des jüdischen Volkes beginnt mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (1. Mose, Genesis 12).

I: Kaufmann Mohammed hatte Erscheinungen eines Engels, der ihn als Prophet (Bote Gottes, hier Allah) bezeichnete.

B: Siddhartha hatte mit 35 Jahren eine Erleuchtung, daraufhin tat er sich mit 5 Asketen zusammen und bildete eine buddhistische Bewegung. Buddha = „ der Erleuchtete“.

2) Erstes öffentliches Sichtbarwerden

C: Predigt und Heilungen durch Jesus / Kreuzigung und Auferstehungsereignis zum jüdischen Passahfest / Pfingsterlebnis des Jüngerkreises / Mission durch Paulus

J: Abraham als der Begründer des Monotheismus, des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott (Monotheismus) wandert nach Kanaan.

I: Er verkündete diese Eingebungen, schrieb sie in Ayat (Koranverse) und ordnete sie in Suren (Abschnitte), die in der Gesamtheit den Koran bilden.

B: Entstehung aus dem Hinduismus

3) Jahr

C: Etwa ab dem Jahr 25 n.Chr.

J: Beginn des zweiten Jahrtausends vor der Zeitwende

I: Im Jahr 609 im nahen Umfeld Moham-meds, weiterreichende Verbr. ca. 620

B: Ca. 5. Jahrhunderte vor Christus auf dem indischen Subkontinent

4) „Religionsstifter“

C: Jesus von Nazareth, der Christus

J: Abraham

I: Mohammed als erster Prophet Allahs

B: Siddhartha Gautama, wurde als Sohn um 563. v. Chr. in einer adligen Familie in Nordindien geboren.

5) Namen der Anhänger

C: Christen

J: Juden

I: Muslime (Moslem/Muslima) („der sich Gott unterwirft“)

B: Buddhisten

6) Zahl der Anhänger heute

C: In Deutschland ca. 50 Mio. / etwa 1/3 der Weltbevölkerung = ~2,3 Mrd. Christen

J: 13,5-15 Mio. Juden weltweit; ca. 200.000 Juden in D., davon 100.000 in Gemeinden

I: In D. leben ca. 4,5 Mio. Moslime / ca. 1,5 Mrd. (Stand 2010) weltweit

B: Ca. 40 000 deutsche Buddhisten / ca. 450 Mio. weltweit

7) Verbreitung in der Welt

C: Europa 520 Mio., nördliches Russland und Asien 320 Mio., Nord- und Südamerika 740 Mill., mittleres und südliches Afrika 380 Mio., Australien und von Asien v.a. Philippinen = pazifischer Raum 23 Mio.

J: Die meisten Juden in Israel und den USA; trotz der vergleichsweise geringen Anzahl seiner Bekenner eine überaus lebendige und vielgestaltige Weltreligion. Jüdische Gemeinden sind heute in allen Teilen der Erde anzutreffen.

I: Glaubensrichtung mit den zweitmeisten Anhängern weltweit. Länder mit dem größten Anteil an der muslimischen Weltbevölkerung sind: Indonesien, Pakistan, Indien, Bangladesch, Ägypten, Nigeria, Iran, Türkei, Algerien, Marokko.

B: Hauptsächlich in Asien, weniger in Europa, Nordamerika und Australien

8) Hauptrichtungen

C: Römisch-Katholisch / Ostkirchen: Griechisch-Orthodox und Russisch-Orthodox / Evangelisch

J: Orthodox und nicht-orthodox (progressiv, reformiert oder liberal), zwischen den beiden Hauptrichtungen noch ein konservatives J.

I: Sunniten (circa 74%), Aleviten (circa 13%), Schiiten (circa 7%), kleinere Gruppen Ahmadiyya, Sufi, Ibaditen u.a.

B: Der Buddhismus besitzt keinen Gott, sondern einen Erleuchteten. Alternative zu hinduistischen Vielgötterei und Askese

9) Radikale Gruppen, Zahl, Vorkommen

C: Fundamentalisten in allen christlichen Kirchen / zahlenmäßig nicht definierbar / Amerika, Europa u.a.

J: Ultra-orthodoxe J. fordern einen stark an der Tora orientierten Lebensstil inkl. Geschlechtertrennung.

I: Seit den 1960er Jahren (z.B. Sayyid Qutb) gewann der Einfluss von fundamentalistischen Gruppierungen. Aktuell am bekanntesten sind „Islamische Dschihad-Union“, „Taliban“, „al Quaida“, „Islamischer Staat (IS)“, meist als Islamisten, Dschihadisten oder Salafisten bezeichnet.

B: Keine

10) „Feindbilder“

C: Keine (aber für die Fundamentalisten: Islam, „Ungläubige“= nicht wörtlich bibeltreue Christen, angeblich „Unmoralische“, liberale Christen; Christen, die nicht die Glaubenstaufe (als Erwachsener) empfangen haben)

J: Keine. Das Judentum betrachtet es nicht als Sünde oder als Ausschlusskriterium für die Empfängnis des Heils durch Gott, wenn Nicht-Juden und andere Völker ihre abweichenden Religionen bzw. Gottesvorstellungen pflegen.

I: Vereinfacht gesagt sind alle Ungläubigen Feinde des Islam, die es zum Islam zu bekehren gilt.

B: Der Buddhismus ist eine äußerst tolerante Religion, die zu Frieden und Gewaltfreiheit aufruft.

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11) Organisation/en

C: Katholisch: hierarchisch orientierte Weltkirche mit Zentrum in Rom (Vatikan mit Papst) / Orthodoxe: administrativ unabhängige Kirchen mit eigenen Bischöfen, an der Spitze ohne Lehrbefugnis der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, darunter weitere Patriarchen der selbst-regierenden Kirchen / Evangelisch: völlig unterschiedliche nicht hierarchische Organisationsformen wie z.B. eigenständige Landeskirchen mit Bischöfen ohne Lehrbefugnisse und Synoden (Parlamenten) / weitere Zusammenschlüsse auf konfessionellen Ebenen (z.B. Ev. Kirche in D, Lutherischer Weltbund) / Zusammenschluss weltweit: Ökumenischer Rat der Kirchen = ÖRK (auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC)

J: Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet, allg. weltliche Leitung vom Gemeindevorstand.

I: Zahlreiche Dachverbände und Unterverbände wie z.B. türkisch-sunnitische Dachverbände (größter Verband „türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion“), Verbände arabischer Sunniten („islamische Gemeinschaft in Deutschland“), Verband europäischer Muslime („Verband islamischer Gemeinden der Bosniaken in Deutschland“).

B: Verbreitet sind verschiedene Formen des Buddhismus

12) Autoritäten / Religiöse Ämter / Einfluss

C: Katholisch: Papst und Bischofshierarchie – kirchlicher Einfluss groß / Orthodox: Patriarchen haben in ihrer Kirche Einfluss neben Synoden, k. Lehrbefugnis des Ökumen. Patriarchen v. Konstantinopel / Evangelisch: Synoden haben Einfluss, Bischöfe agieren repräsentativ.

J: Rabbiner

I: Keine feste Organisationsstruktur und oberster Autorität für den gesamten Islam. Früher war die Ulama (Gottes- und Rechtsgelehrte mit Ausbildung der Traditionswissenschaften des Islam) als oberste Autorität anerkannt. / Im islamischen Staat („IS“) wird der sich selbst „Kalif“ nennende Abu Bakr al-Baghdadu als höchste irdische Autorität bezeichnet.

B: Eine der bekanntesten Symbolfiguren der Friedfertigkeit und gleichzeitig ein unermüdlicher Prediger im Namen Buddhas ist der Dalai Lama, der in seiner Heimat Tibet sehr verehrt wird.

13) Eintritt

C: Durch die Taufe

J: Durch Geburt von einer jüdischen Mutter oder wer zum Judentum konvertiert ist

I: Aussprechen des Glaubenszeugnisses vor zwei Zeugen.

B: Da der Buddhismus eher als eine Art Philosophie dargestellt wird, gibt es keine großen Regeln für den Ein- und Austritt, auch nicht bei den Mönchen.

14) Austritt

C: Durch Erklärung des Austritts vor dem Standesamt (evang., katholisch, orthodox)

J: Bei der dafür zuständigen Behörde Austritt erklären (Austritt ist allerdings aus inner-jüdischer Sicht nicht möglich)

I: Mitteilung an den Gemeindevorstand

B: Siehe 13)

15) Zentrale Orte

C: Jerusalem, Rom, Istanbul

J: Jerusalem

I: Die Kaaba (Würfel, Kubus) = erstes Gotteshaus, steht im Innenhof der Haram-Moschee Masdschid-ul-Haram in Mekka; Mekka (Geburtsort Mohammeds), Medina (Grabstelle Mohammeds), viele Heiligenschreine an versch. Orten in der Welt, z.B. Heiligtum von Bibitheybat

B: Als einer der zentralen Orte des Buddhismus gilt Tibet.

16) Kulträume / Gottesdiensthäuser

C: Kathedralen, Dome, Kirchen, Kapellen

J: Synagogen

I: Moscheen

B: Tempel, Gebetshallen, Stupa, Pagode, buddhistische Klöster

17) Zentralsymbol / Weitere SymbolePassion 022_1101

C: Das Kreuz Jesu (Eigentlich: Marterinstrument. Durch die Auferstehung aber Zeichen für neues Leben – in der Welt und darüber hinaus = Lebenszeichen) / Taube / Alpha und Omega / X und P verbunden / Fisch / Lamm / Regenbogen / Schiff / Ähre und Weintraube / Anker mit Querbalken und Herz

Davidsstern

J: Davisstern

Sichel

 

I: Mondsichel oder Halbmond

Buddhismus

B: Das Dharmachakra (Rad der Lehre)

 

 

18) Glaubensziel / Person / Gott / Gottesname

C: 1. Das ewige Leben (beginnt bei der Taufe!) in der Nachfolge Jesu Christi – auch durch den Tod hindurch. 2. Das Leben in der Liebe Gottes mit den Mitmenschen. („Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ )

J: Das Judentum ist eine Religion der Tat; jede Jüdin, jeder Jude ist angehalten, zum Partner Gottes zu werden – Vervollkommnung der Welt durch den Menschen; Einhalten der sieben noachidischen Gebote; Erwartung des Messias als Heilbringer für alle Menschen / JHWH

I: „Das wichtige Konzept des Islam und die Quelle aller seiner anderen Prinzipien und Verfahrensweisen ist die Einheit Gottes (Tauhid). Der Islam lehrt, dass es einen grundsätzlichen Unterschied gibt zwischen Allah, dem Schöpfer, und dem, was Er geschaffen hat. Der Himmel, der Mond, die Sterne, die Harmonie und Vollkommenheit in der Natur, die Anmut und Schönheit des menschlichen Körpers und die Vortrefflichkeit des menschlichen Geistes, der Wechsel zwischen Tag und Nacht, der Wandel der Jahreszeiten, das Geheimnis des Lebens und des Todes – all diese Dinge deuten auf etwas hin, das größer ist als sie selber.“

B: Der Weg der Erlösung – Nirvana

19) Gottesvorstellung / Gottesbild

C: Gottesname: Gott hebr. Jahwe („Ich bin der ich bin.“), als fleischgewordener Mensch: Jesus Christus. Trotzdem: Es ist ein Gott! (Monotheistisch) / Gott ist ein Gott in drei Erscheinungsformen (trinitarisch): als geheimnisvoller Gott, als Sohn Jesus Christus, als Heiliger Geist Jesu. / „Du sollst Dir kein Gottesbild machen.“

J: JHWH ist als gnädiger und gerechter Bundespartner des erwählten Volkes Isreals zugleich der Schöpfer, Bewahrer, Richter und Erlöser der Welt

I: Der Koran bezeichnet Allah (t) als vollkommen und ständig wirkend (siehe Sure 2.255 im Qur’an). Er ist ALLMÄCHTIG, ALLWISSEND

B: Es gibt keinen Gott, weder Schöpfer noch Schöpfung; die Welt war immer da. Sie ist eine in ständiger Veränderung, begriffene Kombination von Materie und Geist.

20) Maßgebende Schriften

C: Bibel (Altes und Neues Testament = Alter und neuer Bund Gottes mit seinen Menschen; AT ist die Bibel der Juden, NT der neue Bund durch Jesus Christus

J: Hebräische Bibel; schr. Lehre, die in der Tora niedergelegt ist und mündl. Lehre, auch: mündliche Tora, die im Talmund diskutiert wird

I: Koran (Botschaften und Mitteilungen Allahs als Offenbarungen an die Menschen)

Sunna (Sammlung von Berichten (Hadithe) über Handlungen u. Aussagen Mohammeds)

B: Tripitaka, der Dreikorb (1. Regeln für Mönche / 2. Lehrreden (Sutren) / 3. Kommentar der Lehren)

21) Andere Glaubensquellen

C: Keine

J: Rabbinische Schriften

I: Dem Propheten zugeschrieben Traditionen (sunna) und Äußerungen (hadith).

B: Innerhalb des Buddhismus gibt es verschiedene Schulen, die alle eigene Texte haben.

22) Wo offenbart sich Gott den Menschen?

C: In Jesus Christus, dem Menschen und Gottessohn.

J: Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (1. Mose, Gen. 32, siehe auch „Die große Einladung – Segen für Jakob) Israel (Jisrael) genannt wurde. Auch wird darauf verwiesen, dass ein ganzes Volk Zeuge Gottes bei der Schneidung des Bundes am Berg Sinai war.

I: Durch die wörtliche Offenbarung an den Propheten Mohammed, wie im Koran niedergeschrieben und den Muslimen zur Kenntnis gebracht.

B: Im Menschen selbst

23) Regeln u. Gesetze/ Verbindlichkeit

C: 1. Die 10 Gebote aus dem Alten Testament (2. Mose/Exodus 20, 2-17) / 2. Das Doppelgebot der Nächsten- und Gottesliebe, Markus 12, 29-31 / 3. Die Bergpredigt, ab Matthäus 5, 1 / Für Lutheraner ist das Tun des Guten (automatische) Frucht eines rechten Glaubens u. sind die Bekenntnisschriften Maßstab der Auslegung der Bibel. / Allg. christliche Werte finden sich in verschiedenen Katechismen.

J: Talmund, dieser ist historisch gesehen in Mischna und Gemara aufgeteilt; auf beiden beruht die Halacha, das jüdische Gesetz

I: Scharia (mit dem Koran als Grundlage aufgestelltes Religionsgesetz)

B: Es wird unterschieden zwischen Geboten für Laien und für Mönche; Hauptgebote: Nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen und keinen Alkohol trinken

24) Ethische Leitworte / Ideale / Urbekenntnis

C: 1. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ „Wenn Dir einer auf die rechte Wange schlägt, halte ihm auch die linke hin.“ „Liebe Deine Feinde.“ „Richte nicht.“ „Vergib, wie Dir vergeben ist.“ / 2. Ideale: Glaube, Liebe, Hoffnung; Barmherzigkeit; Gerechtigkeit und Recht (besonders für die Armen und Schwachen! siehe Diakonie); zentral ist die Vergebung! / Urbekenntnis: „Jesus ist der Herr!“ / Das heute bei uns weitgehend verwendete Apostolische Bekenntnis stammt aus der   Römerzeit und ist wahrscheinlich in Gallien   im 5. Jh. entstanden

J: Gott gab Mose am Berg Sinai sämtliche Gesetze, diese gab dieser dem jüdischen Volk in Form der Tora und des Talmuds weiter; Tora und Halcha werden als göttlich betrachtet; liberale Juden betrachten diese Worte Gottes als weniger verbindlich

I: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“

B: Buddha lehrt, das richtige Leben zu leben und es als Pflicht zu betrachten, das Leben hinzunehmen und zu ertragen, genießen kann man das Leben nicht.

25) Religiöse Bräuche/ Essen und Trinken / Reinheit

C: Gebete zu verschiedenen Anlässen (Tageszeit, Essen, zu besonderen Anlässen wie Reise u.v.a.) / Segenshandlungen / Kreuz: bekreuzigen, Kreuzweg / Glocken, Weihrauch / Feste des Kirchenjahres (v.a. Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank und Fastenzeiten) / lebensbegleitende Bräuche: Taufe, Tauferinnerung, Firmung oder Konfirmation, Hochzeit und Hochzeitsjubiläen,   Geburtstag, Tauftag, Namenstag, sehr viele Sterbe- und Abschiedsbräuche, viele katholische und orthodoxe Bräuche (Weihwasser) / allgemein keine Einschränkungen bei Essen und Trinken (keine Reinheitsgebote)

J: Speisegesetze spielen große Rolle – Kaschrut verweist auf die rituelle Eignung eines Gegenstandes oder Lebewesens(„koschere Küche“); Alkohol z.T. sogar geboten; z.T. werden strikte auf Tora bezogene Kleidervorschriften eingehalten, viele kleiden sich allerdings nicht explizit jüdisch / körperliche Reinheit und sonstige Hygiene spielen eine zentrale Rolle

I: Bekleidungsvorschriften, Begrüßungen, Reinigung vor dem Essen und Gebet, Töten von (erlaubten essbaren) Tieren auf besondere Weise (Schächten), Ramadanfest (Fest des Fastenbrechens), Opferfest (Idul Adha), Bescheidung (Sunna) als Empfehlung des Propheten. / Essen und Trinken werden im Koran (im Teil der dritten Kategorie menschlicher Handlungen in der islamischen Rechtswissenschaft „Haläl“) und der Sunna geregelt. Unter anderem ist das Essen von Schweinefleisch und dessen Nebenprodukten, von Blut und der Genuss von berauschenden Getränken (Alkohol) verboten.

B: Da es sehr viel unterschiedliche buddhistische Richtungen gibt, kann man nichts pauschalisieren. Aber Meditieren, Klangschalen, Räucherstäbchen Gebetsmühlen. Buddhisten sind Vegetarier, die kein Lebewesen töten und verletzen.

26) Vorbereitung beim Betreten des Kultraumes

C: Keine besondere Vorbereitung außer Kopfbedeckung abnehmen und stilles Gebet vor dem Hinsetzen – bis hin zu Bekleidungsvorschriften v.a. in südlichen Kirchen

J: Tragen einer Kippa (Käppchen), eines Tallit (Gebetstuch) und (z.T. nur Männer) auch Tefillin (Gebetskapseln)

I: Schuhe ausziehen / waschen

B: Ohne Schuhe und mit angemessener, bedeckter Kleidung

27) Wöchentlicher Feiertag

C: Sonntag (am ersten Tag der Woche wird des Todes und der Auferstehung Christi im Gottesdienst gedacht u. ein göttlicher Ruhetag ist zum Wohl des Menschen geboten

J: Schabbat (Freitag 20 min vor Sonnenuntergang bis Samstagabend mit dem Erscheinen von drei Sternen) am Nachthimmel)

I: Freitag (unter anderem, weil Adam am 6. Tag der Woche erschaffen wurde)

B: Das Vesakh Fest, Uposatha, Katina Zeremonie und Kambutsue

28) Zentrale Gebete/ Gebetsrichtung

C: Klage, Bitte, Dank, Anbetung, Fürbitte. Vaterunser (von Jesus); Psalmen; Trisagion (orth.); Angelus (kath.); Stunden- und Tageszeitengebete / keine vorgeschriebene Richtung oder Haltung, soll nur nicht öffentlich o. demonstrativ – und damit heuchlerisch – sein

J: Täglich drei Gebete mit 19 Bittgebeten(parallel zum Opferdienst im Tempel); Schma Jisrael („Höre, Israel“ – Glaubensbekenntnis)

I: Fathiha (die Eröffnende), Gebetsrichtung zur Kabba in Mekka, Glaubensbekenntnis Schahaadah

B: Das Beten – Gebet ist nicht gleichzusetzen mit anderen Glaubensrichtungen. Eher findet Meditation statt.

29) Sprache im Gottesdienst

C: Landessprache (im katholischen Raum selten noch lateinische Messe)

J: Hebräisch

I: Arabisch

B: Es gibt keine buddhistische Sprache, es ist abhängig von Land und Ort.

30) Menschenbild

C: Der Mensch ist ein Geschöpf und Abbild Gottes, woraus seine Würde und die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens abgeleitet werden. Der Mensch bildet eine untrennbare Einheit von Körper, Seele und Geist. Die Seele gilt als unsterblich. Dem Menschen zu eigen sind ein freier Wille, das soziale Miteinander und die Fähigkeit der Kommunikation und Interaktion. Der Mensch ist der Sünde/Gottesferne verfallen. Er ist nicht per se gut. Er neigt zu Fehlverhalten gegenüber seinen Mitmenschen, der Umwelt und Gott. Aber er ist auch in der Lage, sein Verhalten zu reflektieren, zu bereuen und umzukehren im Sinne einer ethischen Lebensführung.

J: Der Mensch ist ein Ebenbild Gottes.

I: Dem Koran zufolge wurde der Mensch in idealer Gestalt erschaffen; er ist auf der Erde Stellvertreter Allahs. Der Mensch hat, im Gegensatz zu anderen lebendigen Wesen, eine Seele, die nach dem Tod weiter existiert und die Verantwortung für die vom Mensch begangenen Taten trägt.

B: Einerseits Erbsünde – anderseits Karma, die Lehre vom Selbstverantworteten Tun und dessen Folge

31) Wie erlangt der Mensch sein Heil?

C: Das Christentum gehört zu den Erlösungsreligionen. Erhebliche Unterschiede unter den Konfessionen: Katholisch und Orthodox – Allein die Kirche (von Christus eingesetzt) vermittelt durch ihre Sakramente die göttliche Gnade. Die Taufe ist heilsnotwendig. Reformatorisch – Die Taufe ist heilsnotwendig. Aber allein durch Glauben (Luther: sola fide) gewinnt der Mensch sein Heil. Reformatorische Täufer setzen allein auf die Glaubenstaufe (Erwachsener). Dabei stellt die Taufe die Entscheidung für Gott dar, eine innere Umkehr zu Gott, die allein zum Heil führt.

J: Ein Leben nach der Tora. Diese gilt als der exklusive Ort der heilvollen Offenbarung Gottes in Gestalt seiner Selbstmitteilung und der Kundgebung seines Willens. Sie war und ist für den frommen Juden der Weg zum Heil, denn in ihr hat Gott den Menschen die Möglichkeit eröffnet, in Übereinstimmung mit seinem Willen zu leben. Sie ist Grundlage der Beziehung Gottes zu Israel als Volk und eröffnet ihm das Verständnis für die Welt als Raum von Gottes Offenbarung.

I: Muslime glauben, dass der Mensch stets in der Lage sei, sich zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Er könne das Gute tun und durch das Einhalten der Gebote auf Gottes Gunst und Belohnung hoffen. Wenn er jedoch gegen Gottes Gebote verstoße, schade er in erster Linie sich selbst (Sure 7,23).

B: 1. vom Leiden / 2. von der Ursache des Leidens / 3. vom Glück / 4. von der Ursache des Glücks

32) Jenseitsvorstellung/Nach dem Tod

C: Das Jenseits ist das Reich Gottes, wo das ewige Leben seine Fortführung findet. Dort entsteht vollkommene Erkenntnis in der Gemeinschaft mit Gott, Jesus Christus und den Auferstandenen. Die Seele erhält einen neuen unverweslichen Körper. Es gibt im Jenseits ein Gericht, wo das Gute und Böse des menschlichen Lebens offengelegt wird. Die Bibel beschreibt das neue Leben im Jenseits weitgehend unkonkret – und lässt damit Freiräume für persönliche Vorstellungen.

J: Weiterleben der Seele nach dem Tod, Wiederauferstehung der Toten, Glaube an den Messias

I: Nach dem Tod tritt der Mensch in das Jenseits, es ist in Paradies, Hölle und Zwischenbereich („Barzach“) unterteilt. Denjenigen, welche die Engel friedlich abberufen, sagen die Engel: „Friede sei mit euch, tretet ein ins Paradies (als Belohnung) für das, was ihr getan habt.“ [Koran 16:32] und die Seele verlässt sanft den Körper. Den Übeltätern wird jedoch beim Tod Übel und Schande verheißen: „Und wenn du sie siehst, wenn die Unrechthandelnden in des Todes Schlünden sind, und die Engel ihre Hände ausstrecken: „Liefert eure Seelen aus! Heute wird euch mit der Pein der Schande das vergolten, was ihr an Falschem gegen Gott gesprochen habt, und weil ihr euch hochmütig von Seinen Zeichen abgewendet habt.““ [Koran 6:93]

B: Nicht mehr Wiedergeboren zu werden, sondern ins Nirvana

33) Können „die anderen“ gerettet werden?

C: Das ist nicht eindeutig zu klären. Wenn allein der Glaube das entscheidet, dann bleiben die „anderen“ im Tod. Wenn Gott allein entscheidet, dann könnte es auch anders sein. Christen wissen das nicht.

J: Wenn sie ein ethisch Leben geführt haben

I: Der Koran nennt die Juden und Christen das „Volk der Schrift“, d.h. sie sind diejenigen, die göttliche Offenbarungen vor der Zeit des Propheten Muhammad erhalten haben. Muslimen ist auferlegt, sie mit Respekt und Gerechtigkeit zu behandeln und nicht mit ihnen zu kämpfen, solange diese nicht Feindseligkeiten beginnen oder den Islam verspotten. Dieser Respekt und die Toleranz ist aber nicht nur auf Christen und Juden beschränkt. Dennoch haben sie aufgrund der monotheistischen und abrahamitischen Tradition einen besonderen Stellenwert bei den Muslimen. Die Muslime tragen die Hoffnung, dass die Christen und Juden sich ihnen anschließen, um den Einen Gott anzubeten und sich Seinem Willen zu unterwerfen.

B: Immer

34) Stellung der Frau

C: Weil jeder Mensch seinen Wert und seine Würde von Gott hat, sind alle Menschen gleichberechtigt.

J: Orthodox: strikte Geschlechtertrennung mit klassischer Rollenverteilung (Frau: Haushalt und Erziehung / Mann: Unterhalt und religiösen Studien); nicht –orthodox: Gleichberechtigung, die den Frauen alle Möglichkeiten eröffnet, sich in der Gemeinde zu engagieren

I: Vor Gott sind Mann und Frau gleichwertig und ebenbürtig, haben jedoch unterschiedliche Rechte und Pflichten. Der muslimischen Frau ist es verboten, einen Angehörigen einer anderen Religion zu heiraten. Der Frau obliegt es, ihren Mann zu beraten und zu unterstützen, um gemeinsame Entscheidungen zu fällen. Die Frau ist die Person, die die Kinder empfängt, in sich trägt, gebiert, stillt und erzieht. Dies ist ihre wichtigste Aufgabe. Frauen im Islam ist es erlaubt zu arbeiten (und das Geld zu behalten, da allein der Mann für den Unterhalt der Familie aufzukommen hat), sie sind erbberechtigt, haben das Recht auf Bildung und Ausbildung. Ebenso dürfen sie in Moscheen beten

B: Frauen werden respektiert. Sie können Nonnen werden, aber kein Wanderleben führen, können ins Nirvana gehen, aber niemals als Buddha wiedergeboren werden

35) Verhältnis zum Staat / Glaube und Politik

C: Wenn der Staat ein dem christlichen Menschenbild entsprechendes Wesen entwickelt und Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Gnade und Umkehr ermöglicht, kann und soll ein Christ seine Verantwortung und Pflicht im Staat wahrnehmen. Der Staat ist an sich ein Ordnungselement Gottes (lutherisch). Falls der Staat Ungerechtigkeit zulässt, Freiheit einschränkt und die Würde von Menschen beeinträchtigt, hat der Christ die Pflicht, in Wort und Tat dem Unrecht entgegenzutreten – also auch Gesetze zu überschreiten. Glaube und Politik sind miteinander verwoben. Maßstab ist das Wohl des Menschen – nicht das Gesetz! Gesetze müssen immer dem Wohl des Menschen dienen!

J: Der heutige Staat Israel ist eine säkulare (kirchenunabhängige) Demokratie nach westlichem Vorbild, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen Bereichen weiterhin stark religiös geprägt.

I: Immer wieder wird versucht, die islamischen Grundsätze (Scharia) auch als politische Ordnung einzuführen, scheiterten bislang nicht zuletzt an der politikfernen Entstehungsgeschichte der Sharia. Es gibt keine Grundlage, die politische und religiöse Ordnung zusammenzufassen. Nichtsdestotrotz zeigt die Geschichte, dass dies immer wieder Thema der entsprechenden Epoche ist / war.

B: Da der Buddhismus eher eine Lebensphilosophie ist, können keine Aussagen zur Statt und Politik gemacht werden.

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Quellen:

Alle Texte sind von Redaktionsmitgliedern recherchiert und erheben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit.

Zusammengestellt von B. Ziemens (C), J. Wustmann / K. Heinsohn (J), St. Meier (I), N. Rosowski-Sprengala (B)

Christentum: ggf. www.wikipedia.de

Judentum: www.dija.de; www.judentum-projekt.de; www.wikipedia.de; Das Judentum von Michael Tilly (erschienen im Marixverlag);

Das Judentum von Norman Solomon (erschienen aus der englischen Originalausgabe in der RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHEK Nr. 18653)

Islam: http://www.islamisches-zentrum-muenchen.de; http://www.religionen-entdecken.de; http://www.fragenzumislam.de; http://www.dreikoenigsgemeinde.de; http://www.ead.de; http://wasistislam.info

http://www.enfal.de; http://www.bpb.de

Buddhismus: www.wikipedia.de; www.buddhismus.de; Moderner Buddhismus (Band 1-3 von Geshe Kelsang Gyato / Kostenfreies e-Book)

 

Leiden in verschiedenen Religionen – Warum glauben, wenn man leiden muss?!

 

Der SchreiAuf dieser Welt leiden unzählige Menschen jeden Tag und wenn sie am nächsten Morgen aufwachen, leiden sie oft nur noch mehr. Viele Menschen sind auf der Flucht oder leben in Ländern, in denen fürchterliche Kriege wüten, doch wir müssen gar nicht vom „worst case szenario“ ausgehen, auch in Deutschland leiden viele Menschen – unter ihnen auch viel zu viele Kinder. Viele von diesen Menschen sind gläubig, sie beten zu einem Gott oder leben nach einer bestimmten Lehre und trotzdem leiden sie weiter und eine Besserung ist nicht in Sicht. Glauben wir also an einen Gott, der unser Leiden nicht verhindern will oder kann? Ist unser gütiger und allmächtiger Gott etwa doch nicht gütig und allmächtig? Dieses „Problem“ mit Gott und den Übeln haben bei weitem nicht alle Menschen.

Wer die Existenz von Gott bezweifelt, der muss sich nicht mit diesem Problem auseinandersetzen und auch nicht diejenigen, die der Ansicht sind, dass sich Gott bzw. die Götter nicht für das Schicksal der Menschen interessiert. Wenn man an den Kampf zwischen guten und negativen Gottheiten glaubt, dann ist das Leiden der Menschen ebenfalls logisch. Aber auch wenn man ein Anhänger des Hinduismus oder des Buddhismus {oder von neueren wesentlichen Reinkarnationsvorstellungen} ist, hat man dieses Problem nicht, denn in diesen Religionen wird das Leid als Auswirkung von Schuld verstanden {Karma}. Aber auch im Islam stellt sich dieses Problem nicht, denn in dieser Religion steht es dem Menschen nicht, zu Gott anzuklagen.

In der jüdisch-christlichen Tradition stellt sich dieses Problem in drastischer Weise: In diesen Religionen wird an einen einzigen Gott geglaubt, der als Schöpfer für seine Schöpfung die Verantwortung trägt. Außerdem werden ihm die Attribute allmächtig und allgütig beigemessen. Des Weiteren wird ihm das Prädikat grundsätzlicher Verstehbarkeit zugeschrieben, ein gänzlich verborgener und deshalb unverständlicher Gott könnte nicht für die Leiden der Welt verantwortlich gemacht werden. In diesen Religionen wird dem Menschen außerdem die Würde zuerkannt, sich auch in Akten des Fragens, Streitens oder auch des Protestierens Gott gegenüber ausdrücken zu dürfen.
Man sieht, die Juden und Christen stehen vor einem großen Problem, auf das es nicht DIE eine Lösung gibt, DIE richtige Lösung existiert nicht. Das Leiden kann als eine Strafe Gottes aufgefasst werden oder als eine Art Erziehung zum rechten Glauben. Es kann auch als eine Prüfung gesehen werden. Wenn man Aurelius von Augustinus´ Idee folgt, dass keine Natur böse ist und man mit dem Wort böse nur den Mangel des Guten bezeichnet, dann hat man auch eine Lösung. Auch Thomas von Aquin hat eine Lösung gegeben: „Gott will weder, dass das Übel geschehe, noch dass es nicht geschehe, sondern Er will zulassen, dass Übel geschehen. Und das ist etwas Gutes.“ Man kann auch sagen, dass da, wo Schönes und Gutes existiert, da muss es als Kontrast auch Böses und Hässliches geben. Man kann die Lösung auch im freien Willen des Menschen sehen. Der Mensch hat nur dann einen „echten“ freien Willen, wenn er auch das Böse und Schlechte wählen kann. Diese Möglichkeit lässt Gott den Menschen.

Jeder muss an dieser Stelle selber eine Antwort auf die Frage finden, woher das Leiden eigentlich kommt und dabei ist es ganz egal, welcher Religion er angehört oder ob er sich mit dem Atheismus verbunden fühlt. Wichtig ist nur, dass man sich in irgendeiner Weise einmal mit dem Thema auseinandersetzt und es reflektiert betrachtet.

(Text: Louisa Maria von Rönn / Bild: „Der Schrei“ Edvard Munch, 1895; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schrei)

 

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