Serie zum Thema Tod – Teil 1 bis 6

„Lieber nicht aufschieben…“Vorbereitung auf das Unausweichliche (1)

Tod 136_5304_RGBDer Tod gehört zum Leben,‘ sagen wir schlau – und handeln doch oft ganz anders… Ich erlebe, wie Menschen manchmal vom Tod ihrer Lieben völlig überrollt werden. Denn im Leben und auch im Älterwerden reden viele zwar gern über ihre Krankheiten, nur wenige Menschen aber lassen auch die Gedanken an den Tod zu.

„Wird schon wieder, Mutti!“, höre ich dann wie beschwörend die Tochter am Krankenbett sagen. Und sie und alle herum wissen doch ganz genau, dass es wieder ein Schritt auf das Ende zu gewesen ist. Ganz sicher würde es der Mutter gut tun, wenn die Tochter ihr nicht falschen Trost zusprechen würde. Wenn sie ihrer Mutter deutlich machen könnte, dass es gut so sei, wenn das Leben ans Ende kommen würde. Wenn sie der Mutter eine Brücke bauen könnte, die es ihr leicht mache, zu gehen. Wenn sie die Atmosphäre öffnen könnte für ein Gespräch über die Ängste der Mutter. Vielleicht ist es schon lange ihr innigster Wunsch, einschlafen zu können. Vielleicht ist sie des Lebens im wahrsten Sinne des Wortes müde, weil es so schwer geworden ist. Es ist total befreiend, über den Tod reden zu dürfen – das ist meine Erfahrung. Selbst ein Umgang mit dem Tod unter einer Art Galgenhumor ist leichter zu ertragen als das Verschweigen.

Der Umgang mit dem Tod ist allerdings ein Tabu.

Wem es gelingt, dies Tabu zu durchbrechen, von dem wird eine große Last abfallen. Denn glauben wir doch nicht, dass das Verschweigen und Verdrängen des Todes unser Leben besser macht. Wer die Devise propagiert ‚Lebe lustig und froh und genieße das Leben, denn der Tod kommt früh genug‘, der stellt sich selbst ein Bein. Denn wer den Tod mitten im Leben nicht auf der Reihe hat, der wird doch immer wieder eingeholt vom Schrecken des Todes. ‚Och, Herr Pastor, reden Sie doch nicht immer über so schwere Sachen! Der Tod kommt früh genug… Trinken Sie lieber noch ein Gläschen! So jung kommen wir nicht wieder zusammen.‘ Wer das Thema Tod verdrängt, den belastet es bereits im Leben viel zu stark. Denn die Angst vor dem Tod ist eine Urangst des Menschen, die sein Leben schon immer verschlechtert hat.

Es gibt auch einen anderen Umgang mit dem Tod.

Aber dazu bedarf es einer Hoffnung. Einer Hoffnung über den Schrecken des Todes hinaus. Wir Christen haben einen solchen Schatz. Wer getauft ist, hat solch einen Schatz. Es ist die Zusage, die Verheißung eines neuen, ewigen Lebens. Ein Christ folgt den Spuren Jesu. Und diese Spuren gehen am Tod nicht etwa vorbei! Auch am Erschrecken und an der Trauer und an der Verzweiflung, am Schreien und Erstummen auch nicht. Aber durch die Auferstehung Jesu vom Tode hat selbst diese Phase ihre Schrecken verloren. Der Tod ist nicht mehr das Ende und Vergehen, das Nichts und die Finsternis. Mögen auch noch so viele Männer es behaupten im Aufbäumen ihres Selbsterhaltungstriebes.

Wer Gott vertraut, kann auch darauf vertrauen, dass er uns eine neue Heimat gibt. Dass Grab und Urne, Vergehen und Asche nicht das letzte Zeichen eines Lebens sind. In der Welt allerdings ist das so, das stimmt schon. Der Tod ist der Abschied aus dieser Welt – das ist gewiss. Aber für Gott ist diese Menschenwelt nicht der einzige Ort, wo Leben möglich ist. Sein Liebstes, seinen Sohn, hat Gott Mensch werden lassen, damit wir erkennen, dass die Liebe Gottes nicht am Grabe aufhört.

Wer auf neues Leben vertraut, der kann sich einlassen auf die Gedanken um seinen Tod herum. Wer dem neuen Leben vertraut, der kann sich der Schwelle des Erdenlebens stellen. Wer sich des neuen Lebens sicher ist, der kann sich getrost darauf einstellen, dass sein Leben hier begrenzt ist.

Und der kann sich auch ganz konkret mit dem Sterben und dem Tod beschäftigen – und manches vorbereiten, nicht zuletzt sich selbst, aber auch die Familie oder die Verwandten und Nachkommen. ‚Das ist mir doch egal, was mit mir passiert, wenn ich tot bin!‘ Aus diesen häufig zu hörenden Worten spricht nicht nur der blanke Egoismus, sondern auch eine Unfähigkeit, für sich selbst und für die Familie einen würdigen Abschied zu denken und zu planen. Denn wir leben doch nicht allein!

Wir leben in Gemeinschaften, in Partnerschaft, in Familie, in einer Nachbarschaft, in Vereinen, in Freundschaftskreisen. Der Tod eines Mitmenschen trifft die anderen ebenso. Und es ist ein Stück Kultur, mit dem Tode umzugehen und Menschen würdevoll zu bestatten.

Es ist dagegen kulturlos, Menschen zu ‚entsorgen‘. Der Wert eines Menschen kommt von Gott. Und wir sollten uns hüten, uns anzumaßen, dieser Wert sei mit dem Tode verloren. Es ist noch nicht zu lange her, dass mit Menschen in unserem Lande so umgegangen wurde…

Ich möchte Ihnen, den Leserinnen und Lesern unseres Martinsboten, mit einer kleinen Serie von Gedanken zu Tod und Beerdigung Mut machen, sich mit dem Thema Tod und Bestattung zu beschäftigen. Und zwar nicht erst im Alter oder wenn Sie mit dem plötzlichen Tod konfrontiert sind. So wie Menschen Pläne machen für den Fall von Krankheit und Hilflosigkeit, Patientenverfügungen und Testamente, so sollten sie sich auch Gedanken machen über ihren Tod und ihre Bestattung. Wer vom Tod nach langer Zeit der Verdrängung überrascht wird, kann viele Fehler machen und ist fremden Ideen und Interessen viel eher ausgeliefert, als wenn er oder sie sich zu rechter Zeit dem zweifelsohne schwierigen Thema gestellt und Planungen gemacht hätte. Manche Vorschläge zu einer Form des Abschieds von einem Menschen entspringen rein materiellen Interessen. Es ist wichtig, unterscheiden zu lernen zwischen dem, was zur Bewältigung und Verarbeitung des Abschieds wirklich nötig ist, und reinen Äußerlichkeiten oder gar Geschäftemacherei.

Dazu soll Ihnen diese Serie Vorbereitung auf das Unausweichliche Mut machen und Ihre Gedanken auf eine für Sie und Ihre Lieben gut zu akzeptierende Form des Abschieds lenken.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

(Pastor Burkhard Ziemens)

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Ich such mir das lieber selber aus!Vorbereitung auf das Unausweichliche (2)

Heute geht es in unserer kleinen Serie zur Vorbereitung auf das Lebensende um konkrete Planungen. Man muss das einfach anpacken, sonst handeln später andere MTod 136_5307_RGBenschen für einen selbst…

Zunächst sollte jeder Mensch sich noch vor dem Alter mit Folgendem beschäftigen: 

Die Patientenverfügung. In ihr wird geregelt, welche ärztlichen Maßnahmen Sie zu Ihrer medizinischen Versorgung wünschen und welche Sie ablehnen. So üben Sie vorab Ihr Selbstbestimmungsrecht für den Fall aus, dass Sie bei einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall Ihren Willen nicht mehr äußern können. Bis zu dem Moment behalten Sie selbstverständlich das Recht, Ihre Verfügung jederzeit ganz oder in Teilen zu ändern.

Die Vorsorgevollmacht. Mit einer Vorsorgevollmacht beauftragen Sie eine Person Ihres Vertrauens stellvertretend für Sie zu handeln, zu entscheiden und Verträge abzuschließen – entweder umfassend oder in abgegrenzten Bereichen. Die Vollmacht gilt nur, wenn Sie die Dinge nicht mehr selbst bewältigen können. Sie können die Vollmacht dem Beauftragten auch jederzeit entziehen oder sie inhaltlich verändern.

Die Betreuungsverfügung. Diese Verfügung ist der Auftrag an das Gericht, eine von Ihnen gewünschte Person zu Ihrem rechtlichen Betreuer zu bestellen, wenn das später einmal nötig wird: Nach Paragraph 1896 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist das der Fall, wenn Sie infolge einer psychischen Krankheit sowie einer Behinderung rechtliche Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr regeln können und keine anderen Vorsorgevollmachten getroffen haben. Der Betreuer wird Sie nur in den rechtlichen Aufgaben vertreten, die Sie nicht mehr bewältigen können. Das Gericht prüft, ob Ihr gewünschter Vertreter für diese Aufgabe geeignet ist: Wenn ja, wird es Ihrem Wunsch entsprechen. Anderenfalls wählt das Betreuungsgericht eine dritte Person aus – soweit möglich, aus Ihrem näheren Umfeld, sonst einen fremden ehrenamtlichen- oder beruflichen Betreuer.

Wie unterscheiden sich Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung?

Bei der Vorsorgevollmacht kann eine bevollmächtigte Person Ihres Vertrauens sofort für Sie handeln, sollten Sie nicht mehr entscheidungsfähig sein. Bei der Betreuungsverfügung schlagen Sie einen von Ihnen gewünschten rechtlichen   Betreuer vor. Der wird zuerst von einem Richter auf die Eignung überprüft, bevor er für Sie entscheiden darf. Zudem wird der Betreuer vom Gericht überwacht und muss ihm berichten – im Gegensatz zum Bevollmächtigten, der nicht unter gerichtlicher Kontrolle steht. Allerdings muss auch der Bevollmächtigte in manchen Fällen beim Betreuungsgericht eine   Genehmigung einholen: Zum Beispiel, wenn sich Arzt und Bevollmächtigter uneins über den Patientenwillen bei   einer medizinischen Behandlung sind.

Weitere Informationen über Formblätter usw. folgen in der nächsten Ausgabe!

(Text: B. Ziemens /Quelle: www.caritas.de/hilfeundberatung)

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„Ich such mir das lieber selber aus!“ – Vorbereitung auf das Unausweichliche (3)

Im Teil 2 unseres Ratgebers für das Alter haben wir uns ausführlich mit der Patientenvollmacht und der Vorsorgevollmacht beschäftigt. Dabei geht es

um konkrete Planungen, die man im Älterwerden einfach anpacken muss – sonst handeln später andere Menschen für einen selbst – und das ist nicht unbedingt nach dem Wunsch eines hilflosen Menschen…

An Formularen und Vordrucken dazu gibt es hunderte!

Doch welches Formular nehmen?

Ich persönlich würde zu staatlichen Formularen tendieren. Das Bundesjustizministerium, das Bundesgesundheitsministerium und andere staatliche Organisationen halten juristisch einwandfreie Vordrucke bereit, die auch aus dem Internet heraus gedruckt werden können. Das Bundesjustizministerium hält ebenfalls Beratungsschriften zu diesen Themen bereit.

Die Formulare und Schriften des Bundesjustizministeriums erhalten Sie hier:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Mohrenstraße 37 / 10117 Berlin / Telefon 030 18 580 – 0 / www.bmjv.de

Auch gibt es eine christliche Patientenvollmacht und eine Vorsorgevollmacht, die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Ev. Kirche in Deutschland herausgegeben wird und dort zu erhalten ist.

Vordrucke zu christlichen Vollmachten erhalten Sie hier:

Kirchenamt der EKD/ Herrenhäuser Str. 12 / 30419 Hannover / Telefon 0800-50 40 60 2 / www.ekd.de

Natürlich gibt es viele andere Formulare von weiteren Organisationen, die jedoch auch von Ideologien und besonderen Interessen geprägt sein können.

Auf jeden Fall ist festzuhalten: Wer sich um solche Vollmachten herumdrückt, ist später der Dumme – und kann seine Wünsche möglicherweise nicht mehr artikulieren. Dann entscheiden fremde Menschen, wie es mit einem weitergeht…Wer will das schon…

Finden Sie den Mut, für sich selbst Patienten- und Vorsorgevollmacht zu erstellen! Fragen Sie Ihre Kinder oder Enkel! Diese werden Ihnen bestimmt dabei helfen. (Fortsetzung folgt)

(Text: B. Ziemens)

Der alte jŸdische Friedhof zu Frankfurt am Main am 29.05.2006. © Andrea Enderlein

Der alte jŸdische Friedhof zu Frankfurt am Main am 29.05.2006. © Andrea Enderlein

„Ich such mir das lieber selber aus!“Vorbereitung auf das Unausweichliche (4)Tod 136_5308_RGB

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung im Älterwerden ist die Beerdigung.

Keiner denkt gern dran, mancher verdrängt das Thema lieber.

Doch wer klug ist, weiß, dass es sehr sinnvoll ist, sich mit den Fragen der eigenen Beerdigung auseinanderzusetzen.

Eine erste Frage kann sein, was ich mir überhaupt für eine Beerdigung wünsche.

  • Möchte ich im Sarg in die Erde gelegt werden?
  • Oder geht mein Wunsch eher zur Einäscherung meines Körpers?

Theologisch halte ich beide Formen für möglich. Die Beerdigung im Sarg ist für die Angehörigen ein Vorgang, wo noch ein Körper zu erahnen ist. Bei der Bestattung einer Urne ist deutlich eine Distanz zum Verstorbenen vorgegeben.

Auch ist an die Trauerfeier zu denken: Soll noch der Sarg im Mittelpunkt stehen, oder schon die Urne?

Dann die Frage: Wo will ich mal bestattet werden? Gibt es ein Familiengrab, wo es Platz für mich gibt? Neben den Familiengräbern, die gepflegt werden müssen, gibt es mittlerweile auf fast jedem Friedhof gute pflegeleichte und auch günstige Ruhestätten. Meist sind das Rasengräber. Hier kann man sich im Sarg oder als Urne bestatten lassen, und zwar auf einer anonymen Fläche oder in einem Rasenreihengrab.

Die anonyme Bestattung erfolgt nach einer Trauerfeier ohne Angehörige durch die Friedhofsmitarbeiter mit dem Bestatter.

Im Rasenreihengrab wird der Sarg oder die Urne nach der Trauerfeier mit den Angehörigen in die Erde gelegt (wie bei einem Familiengrab).

Je nach Friedhofsordnung zeugt dann eine genormte kleine Grabplatte auf dem Reihengrab oder an zentraler Stelle ein Gedenkstein mit kleinen Tafeln aus Metall mit dem Namen des Verstorbenen und seinem Geburts- und Sterbejahr von der letzten Ruhestätte.

Die völlig anonyme Bestattung hat sich in vielen Fällen als unpraktikabel herausgestellt, weil dann doch irgendwann ein Angehöriger traurig nach der letzten Grabstätte seines Verwandten suchte – und nichts fand… Außerdem widerspricht eine namenlose Grabstätte dem Bibelwort „Gott spricht: Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“

Neben der Bestattung auf einem Friedhof finden sich heute auch weitere Orte, wo Bestattungen durchgeführt werden können.

Das sind zum Einen die bekannten Seebestattungen in Nord- und Ostsee, die sich nur für Seeleute oder Menschen anbieten, die keinerlei Verwandte mehr haben.

Zum Anderen sind das die Friedwälder, wo eine Beerdigung unter einem Baum stattfindet, den man ganz oder teilweise kauft. Grabgestaltung ist hier nicht erlaubt. Friedwälder liegen naturgemäß oft weit entfernt und sind für Gehbehinderte nicht immer leicht zu erreichen.

Die Baumbestattung ist mittlerweile auch auf dem Estorfer Friedhof möglich, wo sich ein liebevoller Arbeitskreis um vielseitige Angebote und eine sinnvolle Zukunftsperspektive für den öffentlichen Friedhof bemüht. (Fortsetzung folgt)

(Text: B. Ziemens)

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Ich such mir das lieber selber aus!Vorbereitung auf das Unausweichliche (5)

Informationen zu den verschiedenen Friedhofsliegearten erteilt der Träger des Friedhofs. Das sind oft die Gemeinden oder Samtgemeinden. Ist der Friedhof ein kirchlicher Friedhof, wird darüber die Kirchengemeinde Auskunft geben können.

Aber auch die Frage der Trauerfeier spielt eine große Rolle.

Ein Mitglied der Kirche hat Anspruch auf eine kirchliche Trauerfeier. Sie ist in der Regel kostenlos. Kosten entstehen lediglich durch Kapellennutzung (Reinigung, Heizung etc.), Organist und die mehr oder weniger aufwändige Schmuckgestaltung der Kapelle.

Eine Grundentscheidung ist die Frage, ob die Trauerfeier ganz öffentlich, nur in kleinerem Rahmen („im Kreis der Nachbarn“) oder ganz ohne Außenstehende („im Familienkreis“) stattfinden soll.

Der Vorteil der öffentlichen Trauerfeier liegt darin, dass jede und jeder von der verstorbenen Person Abschied nehmen kann.

Hat ein Mensch relativ zurückgezogen und ohne Außenkontakte gelebt oder liegen familiäre Probleme in der Vergangenheit, kommt es oft zu Trauerfeiern im kleinen Kreis (ohne öffentliche Bekanntmachung).

Aber auch umgekehrt kann eine Familie den Wunsch haben, einen Menschen, der im Blickfeld der Öffentlichkeit gelebt hat, allein im Familienkreis zu betrauern.

Die Art der Trauerfeier kann aber auch ganz bestimmt werden von der Person, die ihre eigene Trauerfeier plant und dies als letzten Willen auch festhält!

Die Frage, welche Rolle der oder die Verstorbene im Leben von Nachbarschaft und Öffentlichkeit gespielt hat – und zwar nicht gerade in einer möglichen letzten Phase der Hilflosigkeit und Isolation, sondern im ‚blühenden Leben‘ – sollte ehrlich beantwortet werden. Daraus kann sich die Entscheidung für eine öffentliche Trauerfeier ergeben – oder für eine Trauerfeier „im kleinsten Kreise“.

Eine kirchliche Trauerfeier – egal ob öffentlich oder im Familienkreis – ist immer für jeden Menschen zugänglich! Der Zugang zu einer kirchlichen Trauerfeier darf in keinem Fall und von keiner Person beschränkt werden!

Als Ort bieten sich die von den Kommunen vorgehaltenen Friedhofskapellen an. Zunehmend bieten Bestatter auch private Trauerräume für Trauerfeiern mit begrenzter Teilnehmerzahl an, für die natürlich auch eine Gebühr erhoben wird. Eine kirchliche Trauerfeier muss auch in solchen Bestatterräumen für jedermann zugänglich sein. Allerdings werden sich zu Trauerfeiern in Bestatterräumen kaum andere Personen einfinden – das zeigt die Erfahrung.

Die Entscheidung von planenden Menschen über die Art der Trauerfeier als öffentliche Feier oder als Feier im begrenzten Kreis sollte zunächst unabhängig von der Ortsfrage beantwortet werden. Wenn dann die Entscheidung für eine Feier im kleinen Kreis ausfällt, sollte überlegt werden, ob die Trauerfeier in der Friedhofskapelle oder in Bestatterräumen stattfindet.

Ein weiterer Gedanke kann bei einer Entscheidung von Art und Ort einer Trauerfeier helfen: Es gibt sehr oft Menschen, die sich einer verstorbenen Person enger verbunden fühlen, als das vorher bedacht wird. Ich finde es wichtig, dass solche Menschen sich nicht von einer Trauerfeier ausgeschlossen fühlen müssen, sondern die realistische Möglichkeit haben, an der Trauerfeier teilzunehmen, auch wenn sie nicht ausdrücklich eingeladen sind.

In der nächsten Ausgabe des Martinsboten lesen Sie etwas zur Veröffentlichung von Trauerfeiern – die kleine Serie wird weitergeführt.

(Text: B. Ziemens)

 

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Ich such mir das lieber selber aus!“Vorbereitung auf das Unausweichliche Teil 6

Wenn ich die Zeitung lese, fange ich meist hinten an – bei den Traueranzeigen. So geht es vielen. Weniger aus Neugier, mehr aber aus dem sozialem Empfinden heraus, dass ich die Trauer von Menschen teile. Das Schwerste im Leben, der Abschied, muss nicht im Stillen erfolgen. Nicht umsonst heißt es im Sprichwort: „Geteiltes Leid ist halbes Leid!“

Fast immer hat ein Mensch, der gestorben ist, in einem menschlichen Miteinander von Familie, Freunden und Nachbarn oder von ArbeitskollegInnen oder Vereinsfreunden oder Gleichgesinnten gelebt. Ein erster Gedanke muss sein, ob Arbeitgeber und Vereine und Institutionen zu benachrichtigen sind, die ggf. eigene Anzeigen veröffentlichen würden.

Beim Todesfall ist es grundsätzlich sinnvoll, die Menschen um den/die Verstorbene/n davon zu informieren und zur Trauerfeier einzuladen. Im kleineren Verwandten- und Bekanntenkreis reichen Trauerbriefe – da darf dann allerdings keine/r vergessen werden! In der Regel aber wird man eine Traueranzeige in der Zeitung schalten. Da kann keine/r vergessen werden! Sehr oft geschieht auch beides.

Oft finden wir einen Spruch über der Anzeige. Überlegen Sie genau, was mit diesem Spruch ausgesagt werden soll: Ihr Schmerz und Ihre Trauer, Ihre Dankbarkeit, Ihre Ohnmacht oder auch Ihre Hoffnung? Gerade Bibelsprüche weisen oft über Schmerz und Trauer hinweg und helfen sogar Ihnen selbst. Gibt es ein vertrautes Bibelwort? Der Tauf- oder Konfirmationsspruch? Der Trauspruch? Wenn das Bestattungsunternehmen Ihnen da nicht weiterhelfen kann, fragen Sie Ihre/n Pastor/in!

Viele Traueranzeigen enthalten Symbole. Das Kreuz steht dabei immer für den Glauben an ein neues Leben – es ist ein Hoffnungssymbol. Damit weist es nicht nur zurück in die Vergangenheit, wie beispielsweise eine Gartenbank oder ein Segelboot.

Die Traueranzeige richtet sich an die Öffentlichkeit – und nicht an den/die Verstorbene/n! Deshalb wäre eine deutliche und verständliche Namensnennung der Hinterbliebenen sehr sinnvoll – mit Vor- und Nachnamen und ggf. Geburtsname. „Deine Lissy“ und lediglich die Vornamen der Angehörigen lassen die Leser oft rätseln… In anderen Regionen sind erklärende Zusätze wie „als Ehefrau“, „als Schwägerin“ o.ä. üblich. Das hilft beim Verstehen.

Eine vollständige Traueradresse ist sinnvoll. Viele Menschen haben Angst, dass während der Trauerfeier bei dieser Adresse eingebrochen wird, wenn keiner zuhause ist. Neuerdings bieten die Bestattungsinstitute ihre Adresse als Traueradresse an – das ist dann allerdings auch kostenlose Werbung, die Sie mit der Anzeige bezahlen. Wenn Sie einen Nachbarn oder Jugendlichen bitten, während der Trauerzeremonie Ihr Haus zu hüten, ist das eine praktische Alternative.

Ich lasse mir ungern vorschreiben, welche Kleidung ich zu einer Beerdigung anziehe und empfinde solche „Wünsche“ (‚im Sinne des Verstorbenen bitten wir darum, keine Trauerkleidung zu tragen‘) als Bevormundung.

Mit dem Wunsch, keine Beileidsbekundungen am Grabe erhalten zu wollen, nimmt man anderen die Möglichkeit, durch einen Händedruck oder ein kurzes Wort der Anteilnahme ihr Teilen der Trauer zu vermitteln – und sich selbst den Trost auch…

Bei den zunehmenden Trauerfeiern mit anschließender Einäscherung sind Kränze und Gestecke nicht sinnvoll. Wie wäre es mit einer Bitte, stattdessen im Sinne des/der Verstorbenen für einen guten Zweck um Spenden zu bitten?

(Text: B. Ziemens, Pastor i.R.)

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