Auf dem Weg …

Advent und Weihnachten nach Matthäus

Die Geschichten im Matthäusevangelium sind ungewohnt und anders als die aus dem Lukasevangelium.

Wir beginnen mit Jesaja – Kapitel 9

Der Friedefürst wird verheißen

1 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht; für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf. 2 HERR, du vermehrst sie und schenkst ihnen große Freude. Sie freuen sich vor dir wie bei der Ernte und wie beim Verteilen der Kriegsbeute. 3 Wie damals, als du das Volk von den Midianitern befreit hast, zerbrichst du das Joch* der Fremdherrschaft, das auf ihnen lastet, und den Stock, mit dem sie zur Zwangsarbeit angetrieben werden. 4 Die Soldatenstiefel, deren dröhnenden Marschtritt sie noch im Ohr haben, und die blutbefleckten Soldatenmäntel werden ins Feuer geworfen und verbrannt. 5 Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst. 6 Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren. Er wird auf dem Thron Davids regieren und seine Herrschaft wird für immer Bestand haben, weil er sich an die Rechtsordnungen Gottes hält. Der HERR, der Herrscher der Welt, hat es so beschlossen und wird es tun.

Die Vision Jesajas von einem kommenden Friedensfürst beschreibt den ewigen Menschheitstraum einer gerechten und friedvollen Welt. Sie bedient sich dabei des Bildes vom Licht, das in der Finsternis scheint.

Christen beziehen diese Vision auf Jesus von Nazareth, auch wenn sie ursprünglich in einem anderen Deutungszusammenhang stand. Es ist aber vielleicht denkbar, dass Sterndeuter, als sie den besonderen Stern sahen, auf diese Textstelle gestoßen sind und deshalb den Friedefürst in Israel vermuteten. Das heutzutage in der Adventzeit allgegenwärtige Lichtermeer lässt sich auf diese Textstellen zurückführen.

Matthäus – Kapitel 1

Ein Engel bei Josef

 

18 Mit der Zeugung von Jesus Christus verhielt es sich so: Seine Mutter Maria war mit Josef schon rechtsgültig verheiratet, aber sie hatten die Ehe noch nicht vollzogen. Da stellte sich heraus, dass Maria ein Kind erwartete – durch die Wirkung des Heiligen Geistes. 19 Josef, ihr Mann, war großmütig und wollte sie nicht vor Gericht bringen. Deshalb hatte er vor, sich stillschweigend von ihr zu trennen. 20 Während er noch hin und her überlegte, erschien ihm im Traum der Engel des Herrn und sagte zu ihm: »Josef, du Nachkomme Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, kommt vom Geist Gottes. 21 Sie wird einen Sohn zur Welt bringen; den sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien.« 22 Dies alles geschah, damit in Erfüllung ging, was der Herr durch den Propheten* angekündigt hatte: 23 Die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den werden sie Immanuël nennen.« Der Name bedeutet: »Gott steht uns bei«. 24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25 Er hatte aber keinen ehelichen Verkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn geboren hatte. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Es ist Josef, der im Mittelpunkt dieser adventlichen Geschichte steht und eine Engelsbegegnung hat. Bekannter ist die Geschichte bei Lukas, in der ein Engel zu Maria tritt.

Doch der Weg zu Josef ist wichtig, damit die Verbindung des Paares nicht schon vor der Hochzeit auseinandergeht. Josef steht in einer Abstammungslinie (Mt1,1-16) zu David. Nur er kann sie auf Jesus, den späteren „Davidsohn“ übertragen. Es ist eine Geschichte, in der die Versöhnung des Paares möglich wird, weil Josef den Worten des Engels glaubt.

Matthäus – Kapitel 2

Der Aufbruch der Sterndeuter

1 Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren, zur Zeit, als König Herodes das Land regierte. Bald nach seiner Geburt kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: »Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.«

Sehr kurz ist diesmal der Text, eigentlich berichtet die Bibel gar nicht von einem Aufbruch, erst von der Ankunft in Jerusalem. Doch natürlich müssen die Sterndeuter dazu aufgebrochen sein. Welche Fragen werden sie bewegt haben, woher wussten sie das Ziel der Reise?

Der biblische Text sagt nicht, wie viele Sterndeuter es waren, auch die Namen Casper, Melchior und Balthasar sind spätere Legenden.

Vom Stern wird nur berichtet, dass er „aufgegangen“ ist, eine Begleitung auf dem Weg wird nicht erwähnt. Erst später, auf der kurzen Strecke von Jerusalem nach Bethlehem scheint er wieder und zeigt den Geburtsort.

 

Die Reise der Sterndeuter

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.  4 Er ließ alle führenden Priester und Gesetzeslehrer im Volk Gottes zu sich kommen und fragte sie: »Wo soll der versprochene Retter geboren werden?« 5 Sie antworteten: »In Betlehem in Judäa. Denn so hat der Prophet geschrieben: 6 ‚Du Betlehem im Land Juda! Du bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten in Juda, denn aus dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk Israel schützen und leiten soll.’« 7 Daraufhin rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und fragte sie aus, wann sie den Stern zum ersten Mal gesehen hätten. 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: »Geht und erkundigt euch genau nach dem Kind, und wenn ihr es gefunden habt, gebt mir Nachricht! Dann will ich auch hingehen und mich vor ihm niederwerfen.« 9 Nachdem sie vom König diesen Bescheid erhalten hatten, machten sich die Sterndeuter auf den Weg. Und der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen.

Hier ist unser Text ausführlicher. Er beschreibt zwar nicht die „Abenteuer“ auf der Reise, aber den bedeutenden Zwischenfall am Ende. So mutig und weise die Sterndeuter auch waren, sie machen den großen „Fehler“, den Friedefürst im Königshaus zu suchen. Herodes aber ist das Gegenteil eines Friedefürsten. Und doch bekommen sie im Palast den entscheidenden Hinweis auf Bethlehem und beim Aufbruch leuchtet ihnen wieder der geheimnisvolle Stern.

Geschenke für das Kind

10 Als sie den Stern sahen, kam eine große Freude über sie. 11 Sie gingen in das Haus und fanden das Kind mit seiner Mutter Maria. Da warfen sie sich vor ihm zu Boden und ehrten es als König. Dann holten sie die Schätze hervor, die sie mitgebracht hatten, und legten sie vor ihm nieder: Gold, Weihrauch und Myrrhe*

Nun kommen die Ankunft der Sterndeuter und die Übergabe der Geschenke. Zu beachten gilt es hier, dass Matthäus viele liebgewordene Einzelheiten der Lukasgeschichte nicht erwähnt (Stall, Hirten, Engelschor, siehe S. 11).

 Die Flucht nach Ägypten

13 Nachdem die Sterndeuter* wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum der Engel* des Herrn und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten! Bleib dort, bis ich dir sage, dass du wieder zurückkommen kannst. Herodes wird nämlich das Kind suchen, weil er es umbringen will.« 14 Da stand Josef auf, mitten in der Nacht, nahm das Kind und seine Mutter und floh mit ihnen nach Ägypten. 15 Dort lebten sie bis zum Tod von Herodes. So sollte in Erfüllung gehen, was der Herr durch den Propheten* angekündigt hatte: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.« 16 Als Herodes merkte, dass die Sterndeuter ihn hintergangen hatten, wurde er sehr zornig. Er befahl, in Betlehem und Umgebung alle kleinen Jungen zu töten, die zwei Jahre und jünger waren. Das entsprach der Zeitspanne, die er aus den Angaben der Sterndeuter entnommen hatt1e. 17 So sollte in Erfüllung gehen, was Gott durch den Propheten Jeremia angekündigt hatte: 18 »In Rama hört man Klagerufe und bitteres Weinen: Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen; denn sie sind nicht mehr da.« 19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten der Engel des Herrn im Traum 20 und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und kehre in das Land Israel zurück; denn alle, die das Kind umbringen wollten, sind gestorben.« 21 Da stand Josef auf, nahm das Kind und seine Mutter und kehrte nach Israel zurück. 22 Unterwegs erfuhr Josef, dass in Judäa Archelaus als Nachfolger seines Vaters Herodes König geworden war. Da bekam er Angst, dorthin zu ziehen. Im Traum erhielt er eine neue Weisung und zog daraufhin nach Galiläa. 23 Er kam in die Stadt Nazaret und ließ sich dort nieder. So sollte in Erfüllung gehen, was Gott durch die Propheten angekündigt hatte: Der versprochene Retter wird Nazoräer genannt werden.

Eine grausame Geschichte, die so gar nicht in die friedliche Weihnachtszeit passen will, ist die Erzählung von der Tötung der kleinen Kinder in Bethlehem durch die Soldaten des Herodes. Sie erinnert auch an die Geburt des Mose, die ebenfalls mit einem Kindermord einherging.

Die Geschenke der Sterndeuter helfen der Familie, die Zeit in Ägypten zu überstehen, bis ein Engel sie wieder zurückschickt, diesmal nach Nazareth.

Die Rückkehr der Sterndeuter

12 In einem Traum befahl ihnen Gott, nicht wieder zu Herodes zu gehen. So zogen sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

Die Sterndeuter erhalten die Engelsbotschaft und gehen daher auf einem anderen Weg zurück. Der Rückweg verläuft vermutlich ganz anders, denn sie hatten das Kind gefunden und angebetet. Aus diesem Rückweg entwickelt sich später das Brauchtum der Sternsinger, die von Haus zu Haus ziehen und einen Segen sprechen und schreiben.

Quelle:  Bibelübersetzung „Gute Nachricht“ / Plan für den Kindergottesdienst 2018 (Jochem Westhof) Gesamtverband  für KiGo der EKD e.V.

 

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